Digitalfunk: Polizei räumt Schwächen ein

Erstellt am Sonntag, 15. Februar 2015

Der neue Digitalfunk der Polizei ist offenbar besser dargestellt worden, als er wirklich ist. Das ergab eine interne Besprechung bei der Polizeidirektion Lübeck, an der auch ein Ministerialdirigent aus dem Kieler Innenministerium und ein Beamter aus dem Landespolizeiamt (LPA) teilgenommen haben.
 
Lübeck. Dort wurde eingeräumt, dass die Funktechnik zwar genauso funktioniere, wie man es erwartet habe — allerdings sei sie wohl zu gut „verkauft“ worden.
Demnach stehe landesweit das Grundgerüst des Digitalfunks, jetzt werde nach den Lücken geschaut. Während der internen Runde hieß es demnach, man sei dabei, das System aufzubauen und zu verbessern.
 
Lübecks Polizeichef Heiko Hüttmann bestätigt: „Man hat erkannt, dass alles nicht so reibungslos verlief, wie es wünschenswert gewesen wäre.“ Das LPA gibt sich auf LN-Anfrage zugeknöpft. „Zum Inhalt und zum Verlauf dienstinterner Besprechungen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, sagt LPA-Sprecher Lothar Gahrmann. Außerdem wehrt er sich gegen die Darstellung, die Polizisten würden bewusst in Gefahr gebracht und der Digitalfunk sei bloß als fertig dargestellt worden. „Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage und sind falsch.“
 
Seit Monaten kritisieren die Polizisten allerdings den Digitalfunk. Es komme regelmäßig zu Funklöchern, Aussetzern und Verständigungsschwierigkeiten. Auch in Lübeck waren die Probleme anfangs massiv, gerade in der Altstadt war die Funkabdeckung äußert löchrig. Erst ein zusätzlicher Sendemast in der Braunstraße, der im Oktober installiert wurde, schaffte Abhilfe. Jüngst wurde ein Fall in Buntekuh bekannt, bei dem zwei attackierte Polizisten im sechsten Stock eines Hochhauses kein Netz hatten (die LN berichteten).
Jörn Löwenstrom, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP in Lübeck, begrüßt die Äußerungen aus der internen Sitzung. „Die Situation wurde von den Kollegen bislang nur so schwarz gesehen, weil sie andere Erwartungen hatten.“ Nun, da alle wüssten, es sei lediglich die Grundausstattung, „finde ich es akzeptabel“. Der Analogfunk sei schließlich auch 40 Jahre in Betrieb gewesen und wurde über die Zeit kontinuierlich optimiert.
 
Zusätzlich gebe es die Zusage aus Kiel, bei Bedarf jederzeit weitere Funkmasten zu installieren — Geld sei nicht das Problem. Die Frage ist allerdings, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt. Die Nachjustierung der Antennen rund um Lübeck dauerte knapp ein Jahr, und bis der Mast in der Braunstraße aktiviert wurde, vergingen elf Monate. „Die Optimierungen werden schnellstmöglich umgesetzt“, sagt Lübecks Polizeichef Hüttmann vorsichtig. Darum sind auch die Beamten auf der Straße gefordert, sie sollen nun alle Funklöcher finden. „Der schwarze Peter liegt jetzt bei ihnen“, sagt GdP-Mann Löwenstrom. „Man kann es aber auch als Chance sehen.“ So hätten die Polizisten direkten Einfluss darauf, wie lückenlos das Funknetz in Zukunft sein wird. Das bestätigt Hüttmann: „Unsere Beamten wurden noch einmal eindringlich darum gebeten, jede Schwierigkeit mitzuteilen.“
 
Außerdem laufen laut Hüttmann zurzeit innerhalb der Lübecker Polizei die Schulungen an den sogenannten Gateway-Geräten in den Streifenwagen. Diese Module dienen als Funkverstärker zwischen Handgerät und Sendemast. Damit sollen dann weite Teile Lübecks funktechnisch erschlossen werden, ohne neue Masten zu bauen. Doch eine genaue Anweisung, wann die Gateways bei Einsätzen zu aktivieren sind, gibt es nicht. Hüttmann: „Das überlassen wir der Erfahrung der Beamten.“
 
LN ONLINE 13.02.2015 Peer Hellerling
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