Rundum glücklich in der neuen Wache

Erstellt am Samstag, 22. September 2012

Lübeck - Das Umzugschaos ist beseitigt, seit einer Woche ist das 1. Polizeirevier in der alten Seefahrtschule. 

Langsam verschwinden die Umzugskisten aus den Büros und Fluren der Übergangswache des Innenstadtreviers. „Ein Stück weit leben wir aber noch aus dem Karton“, sagt Leiter Torsten Wähling. Seit vergangenem Donnerstag residiert die Besatzung des 1. Reviers nicht mehr in der Mengwache, sondern in der alten Seefahrtschule in den Wallanlagen. Hier und da muss noch gearbeitet werden: Ins Wartezimmer kommt noch eine anschraubbare Sitzbank, am Eingang fehlt das Polizeischild. Immerhin der Wegweiser unten an der Mühlenstraße steht schon.

Auch wenn das jetzige Quartier nur auf Zeit ist, bis die eigentliche Wache modernisiert ist, so sind alle Beamten glücklich über die neue Unterkunft. „Hier lässt es sich viel leichter arbeiten“, sagt Polizeiobermeister Thomas Krieger. „Der Zustand der alten Wache war desaströs.“ Kein Wunder: Am Stammgebäude wurde mindestens 30 Jahre nichts gemacht, die Räume waren dunkel und eng. In der Seefahrtschule von 1826 sind die Decken altbautypisch hoch, die Wände weiß und die Aussicht beneidenswert – vom Geschäftszimmer im obersten Stock haben die Beamten einen Blick auf den Dom.

Revierleiter Torsten Wähling wirkt glücklich über den Umzug: „Der Umbau der Mengwache ist dringend nötig.“ Seine Kollegen sind mehr als zufrieden mit den neuen Räumen in den Wallanlagen, am liebsten würden sie dauerhaft bleiben. „Ich muss schon verhindern, dass die Kollegen eine Petition starten“, sagt Wähling scherzend. „Wenn man beide Wachen vergleicht, dann sind das Welten.“

Dabei haben die Beamten nur das Nötigste machen lassen: Die Wände wurden weiß gestrichen, Zwischenwände eingezogen, um mehr Büros zu schaffen. Thorsten Henning, stellvertretender Leiter des Ermittlungsdienstes, hat zwar ein Durchgangszimmer abbekommen, dafür aber mit Verzierungen und Säulen. „Dass es hier so schön wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt der 47-Jährige. Der Sozialraum ist jetzt hell und freundlich, der Funkraum fast doppelt so groß wie vorher. Der Lageraum ist großzügig – selbst bei voller Belegung wäre noch genügend Platz, um zu stehen. Das größte Freiheitsgefühl haben die Polizisten aber in den Umkleideräumen: In der Mengwache waren sie teilweise im Keller, durch die Dunkelheit und die grüne Farbe wirkte es wie das enge Innere eines U-Boots. Jetzt sind die Spinde weiß und die Decken hoch.

Doch auch wenn auf den ersten Blick alles besser wirkt, so müssen sich die Beamten doch einschränken. „Arresträume sind sicherheitstechnisch nicht möglich“, so der 50-jährige Wähling. Störenfriede kommen ins Zentralgewahrsam im Behördenhochhaus. Die Polizisten des Ermittlungsdienstes sitzen zu zweit in den Büros – nur das Jugendkommissariat hat wegen teils sensibler Gespräche ein Einzelzimmer. In einem Vernehmungsraum stehen noch Geräte der Mathematischen Fakultät der Uni – sie war zuvor hier untergebracht. Ein besonderes Schmuckstück: ein alter Hörsaal mit Holzbänken, Pult und Tafel. Wähling: „Hier werden wir aus Spaß bestimmt einmal eine Dienstversammlung abhalten.“

Der Revierleiter ist zufrieden, dass die Lübecker trotz der nun etwas abgeschiedeneren Lage weiter zur Innenstadtwache kommen. Die Zahlen sind jedoch nicht annähernd mit denen zu Mengstraßen-Zeiten vergleichbar. Zum Glück gebe es aber noch den Bezirksdienst in der Dr.-Julius-Leber-Straße, bei dem ebenfalls Anzeigen erstattet werden können.

Persönlich können die Polizisten dem Umzug sogar auch etwas Positives abgewinnen. „Es war eine gute Gelegenheit, endlich einmal zu entrümpeln“, sagt Wähling. Und durch den Rückzug könne womöglich weitergemacht werden. „Was wir in der Zeit nicht gebraucht haben, kann dann auch weg.“


 

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